In diesem Artikel will ich dir erklären, was das Ego eigentlich ist und welchen enormen Einfluss es auf dein Leben hat.
„Ego“ ist ein Begriff, der in der (spirituellen) Literatur synonym zum Begriff „Selbstbild“ verwendet wird.
Das Problem am Selbstbild ist dabei Folgendes:
Egal, welches Selbstbild du von dir hast – es ist immer eine Illusion. Das bist nicht du!
Dein Name, dein Titel, dein Job, deine Umgebung, deine Gedanken – das bist nicht du. Es sind nur Eindrücke aus der externen Welt, die du zu deinem Selbstbild zusammengebastelt hast.
Dieses Ego hat nichts mit deiner wahren Natur zu tun!
Das hört sich jetzt vielleicht im ersten Moment ein bisschen verwirrend an, ist aber in Wirklichkeit ziemlich einfach:

Was bedeutet „das Ego“? (Definition)
Wenn man vom Ego spricht, dann meint man damit das Bild, das du selbst von dir hast. Oder anders gesagt: Wer du selbst denkst, der du bist.
Dieses Bild (= Ego), das du von dir selbst hast, bestimmt wesentlich:

Wenn du dich z.B. selbst als wenig selbstbewusst und ängstlich ansiehst, dann wirst du dich genau so nach außen verhalten. Wenn du ein starkes Selbstbild (man würde auch sagen, ein starkes Ego) hast, wirst du dementsprechend agieren.

Es macht also Sinn, ein möglichst starkes und positives Selbstbild von sich selbst zu haben, wenn man ein glückliches und erfolgreiches Leben führen will.

Doch woher bekommt man dieses positive Selbstbild? Ist es angeboren oder kann man es jederzeit verändern? Das erfährst du im nächsten Abschnitt:

Wir kommen alle ohne Ego auf die Welt. Als kleines Kind haben wir keine Vorstellung davon, wer wir sind.

Kleinkinder reden deshalb oft von sich selbst in der dritten Person, also z.B. „Moritz hat Hunger“ anstatt „Ich habe Hunger“. Kinder können auch noch nicht zwischen sich selbst und anderen Menschen unterscheiden. In den Augen des Kindes ist die, vor ihr stehende Person und es selber eins, es gibt keine Trennung in zwei separate Teile.

Im Laufe der Entwicklung dann, geprägt durch die Konditionierungen seiner Umwelt, entwickelt das Kind ein Selbstbild, ein Ego. Die Eltern nennen es „Moritz“ und so glaubt das Kind es sei „Moritz“. Dabei hätte der Name auch Max, Peter oder Joshua sein können.

Der Name an sich ist schon Fiktion und trotzdem verfestigt sich diese Verbindung immer mehr.

Dann kommen die Eltern und sagen: „Du kannst das gut und das nicht so gut, du bist technisch begabt und sprachlich untalentiert, du bist soundso und soundso.“ Das Kind nimmt diese Eindrücke auf und bastelt sich daraus eine falsche Vorstellung von sich selber.

Dabei ist das, was dir deine Umgebung sagt, alles falsch. Niemand weiß, worin du gut bist, was du kannst und was du nicht kannst.

Deshalb verwirf alles, was dir andere Leute jemals eingeredet haben.

Das alles bist nicht du. Nur du selbst kannst wissen, wer du wirklich bist, niemand anders.

Mir hat man z.B. immer gesagt, dass ich gut bin im technischen Bereich, dass ich ein „Techniker“ wäre. Dann habe ich angefangen, Elektrotechnik zu studieren. Nach einer Weile kamen mir Zweifel und ich habe mich auf den Weg zu mir selber gemacht. Ich habe alles weggeschmissen, was andere Leute für mich als richtig empfanden und angefangen, ich selbst zu sein.

Jetzt weiß ich, dass ich kein „Techniker“ bin, sondern mich vielmehr zu Spiritualität und Psychologie hingezogen fühle.

Diese Konditionierungen und Einflüsse gehen natürlich auch über das Kindesalter hinaus immer weiter.

Jeden Tag aufs Neue lebt man dieses falsche Selbst. Man baut sich dadurch über die Zeit seinen eigenen Rahmen (basierend auf dem Bild, das man von sich selber hat) und kann sich dann auch nur noch in diesem Rahmen bewegen.

Beispiel:
Jemand hat dir mal irgendwann gesagt (oder sonst wie unterbewusst mitgeteilt), dass du schüchtern bist. Du hast diese Nachricht aufgenommen und in dein Selbstbild eingebaut. Du agierst nun deinem Selbstbild entsprechend, bewegst dich in diesem fiktiven Rahmen, den du dir aufgebaut hast und kannst deshalb nicht anders handeln. Du kannst nicht aus dem Rahmen ausbrechen.

Das Problem mit dem Ego
Dieses Ego, dieses falsche Selbst, diese Illusion von dir hält dich also zurück, dich voll zu entfalten.
Es bildet den Rahmen deiner Möglichkeiten. Es steckt sozusagen das Spielfeld ab, auf dem du in deinem Leben spielst.
Und nicht nur das: Zusätzlich hält es dich gefangen in deiner Rolle, die du spielst.
Noch mal kurz zur Erklärung: Dein Ego ist dein Selbstbild, welches du entwickelt hast, indem du dich mit deiner ROLLE identifizierst: Also mit deiner Umgebung, deinem Titel, dem was andere Leute über dich sagen oder deinem Job…

Anstatt zu sagen:

sagst du:

Siehst du den Unterschied?
Durch die Identifikation mit diesen Dingen baust du dir ein falsches Selbst auf. Du sagst: „Ich bin ein Rocker, ein Banker, ein Taugenichts, ein Emo, ein Angsthase, ein soundso…“ Du baust dir Stück für Stück eine Schale um dein wahres Sein.

Dadurch entsteht ein weiteres Problem:
Du – oder vielmehr dein Ego – fühlt sich sofort angegriffen, wenn jemand durch deine falsche Schale durchdringen will.
Vor kurzem schrieb mir eine Doktorin erbost, dass sie meinen Newsletter nicht mehr haben will, weil ich sie mit „Hey Sonja“ (Name geändert) anstatt mit „Hallo Frau Dr. Soundso“ angeschrieben habe.

Ich kann ihre Gefühle gut verstehen. Sie hat über Jahre hinweg in dieses falsche Selbst, in diesen Titel investiert und jetzt spreche ich sie beim Vornamen an. Das ist ein Frontalangriff auf das Ego, in welches sie jahrelang hart investiert hat. Total verständlich also, dass sie sich, oder besser ihr Ego, angegriffen fühlt.
Oder weise mal einen Rocker darauf hin, dass er innen drin eigentlich total verunsichert und sanft ist. Er wird dir gleich eins auf die Mütze hauen. Jetzt hat er so lange daran gearbeitet, diesen Schein des harten Mackers zu wahren und da kommst du daher und deckst sein wahres Sein auf.

Das Ego kann dir also ganz schön das Leben schwer machen…

Und du wirst so lange in deinem limitierenden Selbstbild gefangen sein, bis du dich endlich davon ablösen kannst.

Aber geht das überhaupt?

Ist es möglich, das Ego zu überwinden?

Stell dir mal vor, du könntest diese Illusion von dir selbst einfach fallen lassen und frei entscheiden, wie und wer du sein willst. Das wäre der Weg zu ultimativer Freiheit.
Außerdem könnte uns niemand mehr etwas anhaben, weil es nichts mehr gibt, das verletzt werden könnte. (Wenn du kein starres Selbstbild, kein Ego mehr hast, kann dich niemand mehr angreifen. Denn es gibt nichts mehr, was angegriffen werden könnte).
Nun ist es so, dass das nicht ganz einfach ist. Wenn dem so wäre, würden wir ja alle fröhlich durch die Gegend hüpfen und jeder hätte nur noch das Selbst, das er sich wünscht.

Das Ego komplett aufzulösen, schaffst du nicht von heut auf morgen. Was du jedoch machen kannst:

Eigne dir ein flüssigeres Selbstbild an.

Das ist der erste Schritt. Du versuchst, dein Selbstbild von einem starren in ein flüssiges zu verwandeln. Danach ist es dann leichter, es komplett gehen zu lassen.

Das heißt, du versuchst, dein starres Selbstbild an der ein oder anderen Ecke anzubrechen und es zu öffnen für neue Möglichkeiten. Du verlässt also bewusst deine Rolle und dein begrenzendes „Spielfeld“.

Das liest sich jetzt etwas kompliziert, darum hier ein Beispiel:
Wenn dein Selbstbild Probleme hat, auf andere Leute zuzugehen, dann musst du irgendwie versuchen, dieses Selbstbild aufzubrechen, um neue Handlungsmöglichkeiten hineinzulassen. Du musst diesen rigiden Rahmen aufweichen, damit du erst mal die Möglichkeit hast (und sie in deinem geistigen Auge sehen kannst) wie du auf andere Leute zugehst. Denn bevor du etwas nicht in deinem geistigen Auge „sehen“ kannst, kannst du es auch nicht im realen Leben tun.

Praktisch heißt das: Geh raus und setze dich aktiv neuen Eindrücken, neuen Umgebungen und neuen Situationen aus. Versuche, dabei offen zu sein. Du musst versuchen, die Möglichkeit zuzulassen, dass etwas passiert, was deinem derzeitigen Selbstbild nicht entspricht.

Dein Ego wird sich wahrscheinlich gehörig dagegen sträuben, weil es sich nicht verändern will. Es will gerne so bleiben wie bisher. Das heißt, du musst das aktiv forcieren, auch wenn du Angst davor hast. Du musst aktiv rausgehen und dir sagen: „Ich weiche mein Selbstbild auf, ich agiere außerhalb meiner Rolle und tue etwas, das nicht „mir“ (meinem Selbstbild) entspricht.“

Eine andere Methode, um das Ego aufzulösen, ist das Meditieren.
Bei der Meditation lässt du dein Selbstbild nach und nach los. Du konzentrierst dich ganz auf dich, deinen Körper und deine Atmung.

All deine Konditionierungen, die Meinungen deiner Eltern und Freunde, das was deine Lehrer oder Mitarbeiter dir ständig einbläuen wollen, fällt dabei nach und nach von dir ab. Dieses Selbstbild, welches du dir über die Jahre hinweg angeeignet hast und das nichts anderes als eine Täuschung ist, löst sich auf.

Je regelmäßiger du meditierst, umso mehr wirst du zu dir selber und zu deiner wahren Natur finden.

Zusammenfassung: Die Bedeutung des Egos
Das Konzept des Egos zu verstehen ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach. Ich hoffe, ich konnte es dir trotzdem verständlich erklären.

Hier nochmal eine Mini-Zusammenfassung:

Je flüssiger dein Selbstbild wird, umso mehr Möglichkeiten hast du, dich zu entwickeln.
Und vielleicht kannst du dein Ego am Ende ja sogar ganz gehen lassen und damit die totale Freiheit gewinnen.
Dann bist du angekommen. Das ist das ultimative Ziel.
(Text geschrieben von Moritz Bauer)