Heute wird es um das Thema Trigger gehen. Und darum, wie du diese konstruktiv auflösen kannst.
Oder besser gesagt darum, wie du das Thema hinter dem Trigger erkennst.
Du wirst lernen, zu erkennen, was dich in welchen Situationen triggert und wie du diese Situationen gemeinsam mit deinem Partner konstruktiv auflösen kannst.

Dass wir in verschiedenen Situation immer wieder in alte Muster zurück fallen, dass unsere Reaktionen oft automatisiert ablaufen und wir manchmal gar keine Kontrolle über unsere Gefühle, Gedanken und teilweise auch Handlungen haben, hat mit den sogenannten Triggern zu tun.

Vielleicht kennst du das auch aus deiner Partnerschaft: Dein Partner sagt oder tut etwas und du bist plötzlich – von der einen auf die andere Sekunde – völlig genervt, traurig, ängstlich, wütend, enttäuscht, bestürzt. Die Bandbreite der Emotionen, die Trigger in uns auslösen können, ist unendlich. Du weißt oftmals gar nicht genau, was gerade passiert ist. Und vor allem dein Partner hat keine Ahnung, was in dich gefahren ist.

Vielleicht hast du es auch schon öfter anders herum erlebt: Du sagt ein falsches Wort und dein Partner geht sofort in die Luft, macht dir vielleicht auch Vorwürfe ohne dass du weißt, was du eigentlich falsch gemacht hast.

Manchmal passiert es in solchen Situationen, dass ein Streit über das was gesagt oder getan wurde entsteht. Dass die Situation wieder und wieder durchgekaut wird, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Dass beide Partner auf ihre Sichtweise beharren und fest davon überzeugt sind, im Recht zu sein. Ihr streitet dann – ganz klassisch – über die Situation.

Über bestimmte Situationen zu streiten, kann kein Problem lösen.

Das mag jetzt auf den ersten Blick vielleicht etwas seltsam klingen. „Worüber sollen wir denn sonst streiten?“, denkst du dir jetzt vielleicht. „Mein Partner muss doch wissen, womit er mich verletzt hat. Ich muss ihm doch sagen, wo er sich falsch verhalten hat.“ Das ist eine Überzeugung in vielen Beziehungen, die jedoch nicht immer hilfreich ist. Natürlich ist es wichtig, dem Partner mitzuteilen, wo es eine Verletzung gegeben hat und wo ein Verhalten nicht hilfreich war. Über die konkrete Situation zu streiten, bringt euch aber nicht an diesen Punkt.

Akzeptiere, dass sich eure Sichtweisen unterscheiden!

Eure Sichtweisen unterscheiden sich. Das ist normal, das gehört dazu. Jeder Mensch verfügt über seine eigene innere Landkarte. Das heißt: Jeder Mensch hat seine ganz eigene individuelle Sichtweise auf einfach alles! Und diese Sichtweise ist geprägt durch unsere Vorerfahrung, unsere Glaubenssätze, unsere Überzeugungen – alles Faktoren, die sehr individuell sind. Wir können unserem Partner also unsere eigene Sichtweise mitteilen – so wie das beispielsweise auch ein Schritt in der Methode der Gewaltfreien Kommunikation ist. Wir können auch hoffen, dass unser Partner unsere Sichtweise anerkennt und akzeptiert, dass wir eine Situation wahrgenommen haben, wie wir sie eben wahrgenommen haben. Wir können jedoch nicht erwarten, dass unser Partner unsere Sichtweise teilt. Er hat seine eigene, durch seine individuellen Faktoren bestimmte, Sicht auf die Dinge und die Situation. Und so wenig wie sich deine Wahrnehmung im Nachhinein verändern lässt, genauso wenig ist es möglich, deinen Partner dazu zu bringen, seine Wahrnehmung über bereits Vergangenes zu verändern. Nichts destotrotz ist es natürlich wichtig, sich über die unterschiedlichen Sichtweisen austauschen und den Partner mitzunehmen in die eigene Gedanken- und Gefühlswelt. Darüber zu streiten – gerade im Bezug darauf, was richtig und was falsch ist – macht jedoch keinen Sinn. Es führt einfach zu nichts.

„Worüber dann streiten?“, fragst du dich jetzt vielleicht.

Über das, was wirklich wichtig ist. Über das Thema dahinter. Das Thema dahinter ist das einzige, worüber es sich lohnt zu streiten. Und deshalb ist es auch so wichtig, beim Thema zu bleiben. Und zwar beim richtigen Thema: Beim Thema dahinter.

„Wie findet ich das Thema dahinter?“, könntest du dir jetzt denken.

Indem du die “richtigen” Fragen stellst.

Wenn ihr das nächste Mal in einen Konflikt geratet oder tatsächlich auch einfach in der alltäglichen Kommunikation, wann immer du etwas an- oder aussprechen möchtest, frage dich:

Und du wirst feststellen, dass es hinter der offensichtlichen Situation, eine Ebene unter der Verhaltensebene, ein echtes Thema gibt. Gäbe es kein Thema, wäre dir die Situation nicht einmal aufgefallen, du hättest dich nicht daran gestört.

Jeder Mensch wird in unterschiedlichen Situationen getriggert!

Jeder Mensch wird durch unterschiedliche Situationen, unterschiedliches Verhalten, unterschiedlichen Umgang getriggert. Reagiert also auf unterschiedliche Situationen und unterschiedliches Verhalten emotional. Beispielsweise wütend, traurig, enttäuscht.

Wir reagieren automatisch und innerhalb kürzester Zeit auf Trigger

Trigger lösen diese Reaktion ganz automatisch aus. Du hast diese Reaktionsweise beispielsweise in der Kindheit oder in einem früheren Lebensabschnitt durch deine Erfahrung erlernt und sie hat sich automatisiert. Studien haben gezeigt, dass auf ein triggerndes Erlebnis oder Ereignis binnen 0,3 Sekunden eine Reaktion erfolgt. Im Gehirn werden Neurotransmitter ausgestoßen, die das Stammhirn stimulieren und eine körperliche Reaktion hervorrufen. Ganz automatisch und unbewusst. 0,3 Sekunden sind ein zu kurzer Zeitraum, um aktiv gegenzusteuern. Du kannst die Reaktion auf das triggernde Ereignis im ersten Moment gar nicht stoppen oder aufhalten.

Situationen, die dich triggern, können andere Menschen völlig kalt lassen!

Tagtäglich bist du mit vielen Situationen konfrontiert, die völlig an dir vorbei gehen, die du nicht mal aktiv wahrnimmst, einfach weg steckst, durch die sich andere Menschen gestört fühlen würden, getriggert fühlen würden, über die sie nicht einfach hinweg sehen könnten. Und dann gibt es einige Situation, in denen du das bemerkst. In denen du emotional wirst. Auf die du reagierst. Und in diesen Situation gibt es immer ein Thema dahinter. Immer. Diese Situation sind die Auslöser für Konflikte und Streit in der Beziehung. Vielleicht bricht dein Partner manchmal einen Streit vom Zaun, wirft dir etwas vor, ohne dass du bewusst etwas falsch gemacht hast. Du weißt dann vielleicht gar nicht, was gerade eigentlich los ist. In solchen Situationen hast du deinen Partner unbewusst getriggert. Du hast dich auf eine Art und Weise verhalten, die eine starke Emotion in ihm hervorgerufen hat. Ihm vielleicht Angst gemacht hat, ihn frustriert hat, ihn wütend gemacht hat. Und die Reaktion bekommst du sofort zu spüren. Wenn ihr in einer solchen Situation über das was du gesagt oder getan hast, diskutiert, kommt ihr zu keinem Ergebnis. Du wirst weiterhin davon überzeugt sein, nichts falsch gemacht zu haben, dein Partner wird sich immer tiefer verletzt fühlen. Hier müsst ihr ans Thema kommen. An das richtige Thema. An das Thema, das wirklich wichtig ist. Das Thema, um das es wirklich geht.

„Wie kommt man da ran?“, ist jetzt die naheliegendste Frage.

Und hier kann tatsächliche die Gewaltfreie Kommunikation helfen. Zumindest einige der Schritte der Gewaltfreien Kommunikation. Es geht hier nicht darum, perfekt gewaltfrei zu kommunizieren, wie aus dem Lehrbuch. Sondern darum, die Inhalte anzuwenden.

Das Grundprinzip, wenn ihr versucht die Themen hinter triggernden Situationen zu finden, sollte darin bestehen,

Die Gewaltfreie Kommunikation kann beim Umgang mit Triggern helfen!

Und dann schaut euch die Situation genau an, angelehnt an die ersten Schritte der Gewaltfreien Kommunikation.

Schritt 1:  Was hast du oder dein Partner wahrgenommen?

Wie wurde die Situation erlebt? Was habt ihr gehört, gesagt, getan, erlebt? Welcher Satz war hier wichtig, welche Geste hat getroffen? Was war das störende Merkmal? Welche Handlung, welches Wort hat verletzt?

Schritt 2:  Welche Gefühle wurden ausgelöst? Welche Gedanken?

Was ist dann passiert? Welche Gefühle kamen in der Situation hoch? Welche Gedanken? Welcher Kreislauf wurde ganz automatisch gestartet? Welches Gedankenkarussell? Was für Interpretationen sind vielleicht auch ganz automatisch abgelaufen? Was ist in dir oder deinem Partner passiert?

Und wenn du dich getriggert fühlst, stelle dir die folgenden Fragen – sollte dein Partner versuchen, einen Trigger bei sich aufzulösen, stelle du ihm die Fragen, um ihn zu unterstützen:

Gehe dem zugrundeliegenden Ereignis auf den Grund. Dem Moment, indem dein Körper gelernt hat automatisch so zu reagieren, wie er eben reagiert. Selbst wenn du im ersten Schritt nicht verhindern kannst, dass ein Satz oder eine Handlung dich triggern, weil die Reaktion automatisch binnen kürzester Zeit ausgelöst wird, hast du doch einen Einfluss darauf, wie du dann weiter damit umgehst. Indem du der Ursache des Triggers auf die Spur kommst, erfährst du mehr über dich, kannst Glaubenssätze erkennen und hinterfragen und dich deinem Partner mitteilen. Ihr könnt euch dann über das Thema, das dahinter steckt – und sicher auch noch in einigen anderen Situationen eine Rolle in eurer Beziehung spielt – austauschen.

Aus meiner Verletztheit heraus, wäre es in dieser Situation überhaupt nicht mehr möglich gewesen, neutral über die Situation zu sprechen.  Ich hätte meinen Partner wohl beschuldigt, mich abgewiesen zu haben, mich nicht zu lieben oder zu vermissen und – im schlimmsten Fall – mich überhaupt nicht zu verstehen. Mein Partner hätte wohl begonnen, sich zu verteidigen. Wäre vielleicht ärgerlich geworden, hätte mich beschuldigt, seine Worte im Mund herum zu drehen, nur zu sehen, was ich sehen möchte, durch und durch negativ zu sein. Wir wären in den Teufelskreis des Konflikts geraten, aus dem es auf dieser Ebene gar keinen Ausweg gibt. Weil sich niemand falsch verhalten hat. Alles, was mein Partner gesagt hat, war vollkommen in Ordnung. Seine Gefühle und Empfindungen sind vollkommen in Ordnung. Was in mir vorging, hatte auch einen guten Grund. Der jedoch gar nicht in unserer Beziehung verankert war und mit dieser Beziehung im Prinzip auch gar nichts zu tun hatte. Ich hatte Verletzungen und Ängste, die in meiner Kindheit verankert waren, und durch diesen Satz geweckt wurden – getriggert wurden – ohne irgendetwas mit der Situation zu tun zu haben.

Es macht keinen Sinn, über die Details der Situation zu sprechen!

Ihr müsst dem zugrunde liegenden Thema auf den Grund kommen!

Trigger können herausfordernd für die Beziehung sein – oder dabei helfen, zu wachsen!

Und manchmal braucht es dann noch etwas – für dich selbst, für den Partner, füreinander, vom anderen. Manchmal kann es helfen, einander dann zu fragen:

Was brauchst du gerade? Was brauchst du von mir? Was würde dir jetzt gut tun?

Und vielleicht braucht es eine Umarmung. Ein positives Wort. Eine Versicherung, wichtig füreinander zu sein. Sich sicher miteinander zu sein. Was auch immer es braucht, bitte darum. Kommt euch näher. Nutzt den Trigger für euch. Um über euch zu lernen und euch näher zu kommen.

Mit Triggern zu arbeiten, kann die Heilung unterstützen!

In der gemeinsamen Erfahrung können frühere Erfahrungen heilen und Trigger so langfristig aufgelöst werden. Aber nicht immer ist es so leicht. Wenn du bemerkst, dass bestimmte Sätze, Worte oder Handlungen dich immer wieder triggern und du alleine den Weg bisher nicht heraus gefunden hast, lasse dich dabei unterstützen.

Und wenn ihr dann das wirkliche Thema gefunden habt, wenn ihr wisst, worum sich der Konflikt wirklich dreht, wenn ihr tiefer seid als nur auf der Verhaltensebene, dann geht es darum, in das Thema einzusteigen und eine Lösung zu finden. Und dafür ist es entscheidend, dass es euch gelingt, beim Thema zu bleiben.