(ein Beitrag von Kati und Volker H. Rupp)

Bevor wir in das Thema einsteigen erlaube mir bitte eine Definition der beiden Begriffe:

EGO: Das Ich, die Sammlung aller Emotionen Deines ganzen Lebens. Hier manifestieren sich vor allem Erfahrungen aus Kindheit und Jugend bzw. dem jungen Erwachsenenleben (Adoleszenz) und halten sich förmlich wie in einem Schmerzkörper fest. „Ich“ definiert sich dabei vor allem aus Aussagen anderer über Dich. Es hat nichts mit Deinem wahren Selbst zu tun, nichts mit dem, was Du wirklich fühlst in Herz und Seele.

Trotzdem glaubst Du, Du bist das EGO. Das Kind glaubt die Aussagen der erwachsenen Bezugspersonen – Eltern, Lehrer, Familienangehörige, später in der Jugend die der „maßgeblichen“ Peer Group Leader – tief und fest und sammelt sie. Sie sind so lange unumstößliche Glaubenssätze bis sie quasi auf ihren Wirklichkeitsgehalt untersucht werden. Das geschieht in einer Therapie oder einem psychologisch orientierten Coaching bzw. mittels Methoden in der Selbstheilung, die wir uns hier in diesem Beitrag noch genauer anschauen werden.

 Andere Begriffe für das EGO:

SELBST: Auch höheres Selbst (Higher Self nach Laura Sailer) oder einfach Seele genannt. Es entspricht Deinem wahren Wesen, wird in Stille, Begegnung oder Meditation wahrgenommen und ist absolut positiv. Das SELBST kennt weder Fremd- noch Selbstverurteilung und ist das (vor)letzte Ziel der Persönlichkeitsentwicklung.

Eine Gegenüberstellung dieser beiden Teile in uns mag die Differenz noch mehr verdeutlichen:

 

EGOismus SELBSTliebe
Angst Liebe
Vergangenheit

Zukunft

Gegenwart

Hier und Jetzt

Reaktion

Urteil

Überreaktion

Beobachter

Maßvolle Reaktion

Interpretation Realität

Wahrnehmung

Emotion Gefühl
Mangel Fülle
Denken

Vorwegnehmen

vorauseilender Gehorsam

Zulassen

Zukommen lassen

Kontrolle

Manipulation

Loslassen

Begeisterung

Motivation

Misstrauen Vertrauen
Opfer

 

„Beschützer“:

Fremder Grenzen

Fremder Werte

Fremder Bedürfnisse

Beschützer:

Der eigenen Grenzen

Der eigenen Werte

Des eigenen inneren Kindes

Der eigenen Bedürfnisse

Machtlos Mächtig
Kind / Jugendlicher Erwachsener
Stress Ruhe
Schuld liegt bei Anderen Verantwortung
Konkurrenz Kooperation

Partnerschaft

Win/Lose Win/Win

Warum ist die Differenzierung der beiden Begriffe für unser Thema wichtig? Oder warum kann die Beziehung zweier EGOs nicht funktionieren?

Natürlich landen wir immer mal wieder im EGO, egal wie weit wir in der Persönlichkeitsentwicklung auch schon fortgeschritten sein mögen! Und natürlich handeln wir auch aus diesen Verletzungen heraus und die Partnerschaft wird AUCH der Ort sein, an dem mein EGO laut werden kann und sich zeigt. Nur darf ich mir ganz klar machen, dass sich mein EGO nicht im Geringsten um die Beziehung oder mein Glück schert (geschweige denn das des anderen), sondern dass es ihm ausschließlich um die Erhaltung des SCHMERZES geht. Meines eigenen! Daraus bezieht es seine ganze Energie, seinen Willen zum Überleben und zum Wachsen. Es will sich abgrenzen, verteidigen, beschützen. Auf Verbindung, Verständnis, Konfliktlösung legt es hingegen keinen Wert.

Und trotzdem ist es wichtig, dass es sich zeigt. Sogar eher in der Beziehung zeigt, als wenn Du alleine bist. Weil Dein Partner Dir immer wieder Deinen Schatten zeigen wird und das tut er – unbewusst! – aus Liebe. Damit heil werden kann was noch Wunde ist. Und damit Du Dich selbst siehst und heilen kannst.

Lass uns das ganze noch einmal differenzieren um deutlich zu machen, wo die Möglichkeiten und Gefahren liegen, wenn das EGO und / oder Dein SELBST reagieren. Ausgangssituation: Dein Partner, Deine Partnerin kritisiert Dich!

 

EGO SELBST
Verteidigung Aufmerksamkeit
Gegenangriff Verstehen wollen
Rückzug Verständnis signalisieren
„schmollen“ Ruhige, sachliche Prüfung
Bestrafung Aufrechterhalten der Nähe
Liebesentzug Liebesgefühle werden zu keinem Zeitpunkt der Auseinandersetzung beeinträchtigt
Fremdgehen Wohlwollen Dir selbst und dem Partner gegenüber
Trennung (Durchführung / Drohung) Die Stabilität Eurer Beziehung ist nicht gefährdet oder in Frage gestellt
Ignorieren Dankbarkeit für Auseinandersetzung und Lernprozess
Wut Respekt vor dem Partner, der Partnerin
Körperliche / psychische Gewalt Zärtlichkeiten werden maximal für die Dauer der verbalen Auseinandersetzung ausgesetzt und danach zeitnah wieder aufgenommen
Abgrenzung Gefühl der Einheit mit dem Partner
Verurteilung Dankbarkeit
Bewertung Offen, vollkommen in der Gegenwart
Interpretation Nachfragen, um sicherzugehen richtig verstanden zu haben
Sexentzug Sexualität ist möglich (Soul-Sex nach Eva-Maria Zurhorst, siehe auch 6. Kapitel)
Das körperlich – seelische Begehren nimmt dem Partner gegenüber stark ab Die Gefühle dem Partner gegenüber unterliegen keinerlei Einschränkungen / Schwankungen
Traurigkeit / depressive Verstimmung Selbstreflexion
Weinen Deine Gefühle bleiben

stabil

Selbstmitleid Selbstliebe
Sehnsucht nach dem perfekten / nicht kritisierenden Partner (utopischer Partner) Mein Partner ist so perfekt, wie er ist. Ich benötige keinen utopischen Partner. Seine Kritik hilft mir.
Schwarz – Weiß – Denken Bereitschaft, mich in die „Sicht“ meines Partners zu versetzen
Verhärtung der Front zum Partner hin Einfühlung und Empathie
Weg von sich selbst, eine „Du“ Sicht, negative Konzentration auf den Partner Bei mir selbst bleiben
Kritik wird negativ empfunden Kritik wird neutral oder sogar positiv empfunden
Schlechtes Gewissen nach „verletzenden“ Aktionen Verständnis für Partner und sich selbst. Nachfühlen, warum es zu der „Verletzung“ kam

Bitte habe keine Angst, wenn Du Dich nun nach der Lektüre der obigen Tabelle und der Erinnerung an die letzten Streits zwischen Euch nicht ausschließlich im SELBST verorten konntest! Das gelingt kaum jemandem und das ist für uns hier auch gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass Du überwiegend auf der SELBST Seite stehst oder aber Dich kontinuierlich darauf zubewegst. Dass Dir die Gefahren für Dich selbst und Eure Beziehung klar und deutlich vor Augen stehen, wenn Du hier Deinem EGO das Feld überlässt! Je mehr Du Dein SELBST stärkst und Dich für seine Strategien entscheidest, desto kleiner wird sukzessive Dein EGO.

Übrigens (und das lass mich bitte mit einem kleinen Augenzwinkern anmerken): Die Tabelle oben dient nicht dazu, dass Du sie Deinem Partner zeigst und ihn oder sie darauf aufmerksam machst, was er oder sie alles falsch macht! Sie dient ausschließlich zu Deiner Orientierung…