Kennst du das? Du willst einfach nur weg, raus aus deiner Haut und Konflikten aus dem Weg gehen? Die Arbeit stresst dich nur noch, dein Leben als Single ist frustrierend, du fühlst dich einsam, abgelehnt, nicht gut genug, verlassen oder dein Partner und deine Beziehung werden dir zu viel?

Alles wächst dir über den Kopf und du siehst nur eine Lösung: Flucht. Doch ist dein Fluchtverhalten wirklich eine angemessene Auszeit? In der Psychologie gibt es das Fluchtverhalten auch in Beziehungen. Mittlerweile noch mehr als jemals zuvor und es gibt sogar neue Wortkreationen wie Ghosting und Benching, die das Fluchtverhalten im zwischenmenschlichen Bereich beschreiben.

Das Fluchtverhalten ist nichts anderes, als vor dem Problem davon zu laufen! Besonders Männer gehen Konflikten gerne aus dem Weg, wenn es sich um eine Aussprache mit einer Frau handelt. Sie fühlen sich schlecht, unterlegen und die ganzen Gefühle und Emotionen bereiten dem Mann Unbehagen. Er verliert die Kontrolle und kann die Situation nicht abschätzen, ein beängstigender Ausnahmezustand. Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass sich das Problem von alleine löst, wenn man nur lange und weit genug wegrennt. Glaubst du tatsächlich an die Vogel-Strauß-Taktik?

Bei einem Angriff, Streit oder Konflikt gibt es nur zwei Möglichkeiten – Flucht oder Kampf. Wenn ein Mensch der Annahme ist, zu verlieren, wird er immer den Ausweg der Flucht wählen. Er möchte Gefahrensituationen vermeiden, aufgrund seines Überlebensinstinkts!

Bei Frauen verliert der Mann manchmal buchstäblich seinen Verstand, wenn es um Gefühle geht. Zumindest dann, wenn er keinen großen Bezug zu seiner Gefühlswelt hat. Er ergreift die Flucht. Spätestens bei den Worten: „Schatz, wir müssen reden!“

Hinter dem Fluchtverhalten bei Menschen steckt oft eine Angststörung. Hilflosigkeit, schlechte Erfahrungen, ein geringes Selbstwertgefühl prägen die Vermeidungsstrategie. Die Konfrontation wird mit Schmerz definiert, also ist die einzige Möglichkeit das Fluchtverhalten, um sich selbst vor weiteren unangenehmen Erlebnissen zu schützen. Leider geht diese Taktik dauerhaft nicht auf und die Probleme vergrößern sich irgendwann. Folgen sind Isolation, Beziehungsunfähigkeit, Einsamkeit oder sogar Wut und Aggression.

Die häufigsten Anzeichen für ein Fluchtverhalten sind wie bereits erwähnt, die Vogel-Strauß Methode oder die der drei Affen, die nichts sehen, nichts hören und nichts sagen. Weitere Verhaltensmuster sind Aufschieben und den Konflikten aus dem Weg zu gehen. Noch beliebter ist die Methode der Schuldzuweisung auf Andere, um keine Eigenverantwortung zu übernehmen und sich seinen eigenen Fehlern nicht bewusst werden zu müssen.

In meinen Coachings hat sich sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen ein identisches Verhaltensmodell herausgestellt, das unabhängig der individuellen Lebenssituation geschlechterspezifisch ein nahezu identisches Bild ergab.

Abgesehen von der fehlenden Kompetenz an Kommunikationsfähigkeiten bei Auseinandersetzungen hat das Fluchtverhalten gravierende gesundheitliche Folgen. Es führt zu innerer Unruhe, Stress, sozialer Abspaltung, Liebesunfähigkeit, Isolation bis hin zur Depression.

Der erste Schritt ist, sich dessen bewusst zu machen, dass man schneller den Rückzug ergreift, als es möglicherweise sinnvoll ist. Als nächstes kann man üben mutiger zu werden und sich den Konfrontationen zu stellen. Um dem ganzen nicht ins offene Messer zu laufen, empfehle ich, das eigene Beziehungsmanagement und die Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern. Dadurch gewinnst du Stärke, Selbstvertrauen und erkennst, dass ein Konflikt dir auch neue positive Perspektiven ermöglichen kann.

Mein Fazit

Ich denke, uns ist allen klar, dass wir vor nichts weglaufen können. Insgeheim wissen wir, dass sich im Grunde nichts ändert, wenn wir an einen anderen Ort gehen oder eine unangenehme Situation durch eine Andere ersetzen.

Deshalb finde ich den Begriff „weglaufen“ unpassend. Viel mehr ist es ein verstecken, ein verdrängen oder ein leugnen. Und egal was wir versuchen zu verstecken, verdrängen oder zu leugnen, es hat nichts mit anderen Menschen zu tun. Das wäre dann diese andere Situation: Die Opferrolle.

Heute unterscheide ich zwischen meinem Verhalten im Außen und meinen diesbezüglichen Emotionen. Probleme im Außen, wie zum Beispiel ein Konflikt mit einem Menschen, früheres Scheitern oder immer wiederkehrende Umstände – wie zum Beispiel die Suche nach seiner Berufung – die stets gleiche, unangenehme Emotionen auslösen.

99% dieser Probleme sind zu lösen. Mit einem klärenden Gespräch schaffe ich einen Rahmen damit die Lösung des Problems zumindest angestoßen wird.

Was uns daran hindert, sind die damit verbundenen Emotionen.

Daher mein Impuls an Dich: Bleib stehen und „schaue“ deine Belastungen an. Je früher du sie zulässt, desto schneller bist du sie auch wieder los.

Folge den vier Prinzipien von Wahrnehmung, Akzeptanz, Veränderung und Erkenntnis.

1. Wahrnehmung:

Hör auf, die Probleme zu verdrängen, ebenso die Gedanken und Gefühle, die du damit verbindest. Auch wenn es schmerzhaft ist, lass alles zu was daherkommt und steig richtig in all die Hirngespinste, Ängste, Peinlichkeiten und Schamgefühle ein.

2. Akzeptanz:

Akzeptiere einerseits, dass diese Probleme nun einmal in deinem Leben sind und andererseits die daran anhaftenden Gedanken und Gefühle. Erst durch Akzeptanz hast du die Möglichkeit, dich mit all den Belastungen auf eine erwachsene Art und Weise auseinanderzusetzen und deinen unkontrollierten Egotalk zu überwinden.

3. Veränderung:

Was kannst du im Rahmen deiner Möglichkeiten tun, um diese Probleme aus der Welt zu schaffen? Welcher erste Schritt ist notwendig bzw. möglich? Braucht es deinerseits überhaupt einen Eingriff oder besteht die Veränderung darin, die Gedanken und Gefühle einfach zu ignorieren? Genügt ein klärendes Gespräch mit einer bestimmten Person, eine Entschuldigung oder könntest du jemanden um Hilfe bitten?

4. Erkenntnis:

Hast du ein Problem gelöst, hör an diesem Punkt nicht einfach auf. Nütze die gewonnene Erfahrungen bei der Bewältigung des Problems und lerne daraus. Du wirst auch künftig mit Problemen konfrontiert werden, insofern solltest du die gewonnenen Erkenntnisse verinnerlichen, damit neue, tiefsitzende Belastungen erst gar nicht mehr entstehen.

Schreib alles zu diesen vier Punkten auf und schau diese Liste immer wieder an. Ergänze, korrigiere sie, arbeite damit. Nochmal: Auch wenn es weh tut, lieber jetzt den ganzen Schmerz auf einmal fühlen, als ihn noch länger unbewusst mit dir rumschleppen, bzw. weiterhin vor Problemen weglaufen.

Mit den alten und aktuellen Gedanken drehst du dich nur im Kreis. Außerdem brauchst du Rahmenbedingungen, in denen so etwas wie dein neuer und richtiger Lebensplan entstehen kann.